Netzhautchirurgie

Netzhautchirurgie

Die Netzhautchirurgie beschäftigt sich mit der Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der Netzhaut (Retina) sowie des Glaskörpers, die unbehandelt zu Sehverschlechterung oder Erblindung führen können. Zu den wichtigsten Indikationen zählen Netzhautablösungen, Makulaerkrankungen und Komplikationen durch Gefäßveränderungen.

Was ist eine Netzhautablösung?

Die Netzhautablösung kann innerhalb von Stunden bis Tagen auftreten und unbehandelt zur Erblindung führen. Dabei kommt es zur Trennung der Netzhaut von der darunterliegenden, sie versorgenden, Aderhaut. Die Kenntnis seiner Symptome veranlasst den Patienten, rasch eine Behandlung zu suchen, die heute meist erfolgreich die Sehfunktion wiederherstellen kann.
Risikofaktoren & Symptome

Risikofaktoren sind vor allem:

von Kindern
mit Mehrstärkenlinsen ab 40+
bei Keratokonus und nach Hornhauttransplantation
zur Myopie-Prävention

Frühsymptome sind das Sehen von Lichtblitzen oder von einem Schwarm schwarzer Punkte. In der Folge bildet sich ein dunkler Vorhang oder eine dunkle Wand und das Gesichtsfeld schränkt sich immer mehr ein. Später kann auch die zentrale Sehschärfe reduziert sein.

Netzhautlöcher ohne größere Netzhautablösung und Vorstufen von Netzhautlöchern: Laserbehandlung mit dem Argon-Laser zur Vermeidung der Entwicklung einer größeren Netzhautablösung, bei größeren Netzhautrissen auch Vereisungsbehandlung der Netzhaut (Kryokoagulation)

Voll ausgebildete Netzhautablösung: Aufnähung von Plomben oder umgürtenden Bändern von außen auf die Wand des Augapfels, kombiniert mit Vereisung des Netzhautrisses

Komplizierte voll ausgebildete Netzhautablösung: Bei komplizierteren Situationen (sehr große Risse, Blut im Glaskörperraum, beginnende Vernarbung von Netzhaut und Glaskörper) wird eine primäre Glaskörperausschneidung (Pars plana-Vitrektomie) durchgeführt. Anschließend wird die Netzhaut durch Einfüllen von Gas oder Silikonöl wieder zum Anliegen gebracht. Die modernen Verfahren der Pars plana-Vitrektomie werden heute zunehmend auch als erstes Standardverfahren bei Netzhautablösung eingesetzt.

Die Netzhautablösung ist eine Abhebung der Netzhaut mit ihren lichtempfindlichen Sinneszellen vom darunter liegenden sogenannten Pigmentepithel, das die Netzhaut mit Nährstoffen versorgt. Die Unterbrechung der Nährstoffversorgung der Sinneszellen kann unbehandelt innerhalb von wenigen Tagen zu bleibenden Sehstörungen führen und innerhalb von Monaten zur Erblindung des Auges. Sie muss deshalb umgehend behandelt werden.

Behandlung

Grundsätzlich kann man folgende Methoden unterscheiden:
Die genannten Verfahren werden häufig auch in Kombination eingesetzt.

Das Laserchirurgische Verfahren

Prinzip: Das Setzen von einzelnen Laserherden erzeugt feine Narben der Netzhaut.

Die Laserbehandlung kann umschrieben eingesetzt werden, um Lochvorstufen oder umschriebene Löcher der Netzhaut abzusichern und so die Entwicklung einer Netzhautablösung zu verhindern.

Flächig eingesetzt dient die Laserbehandlung der Netzhaut dazu, den Sauerstoffbedarf der Netzhaut zu verringern und so schwere Komplikationen wie Gefäßneubildung zu verhindern. Die flächige Laserbehandlung der Netzhaut wird vor allem bei der diabetischen Retinopathie und bei Gefäßverschlüssen der Netzhaut eingesetzt.

Augapfel nicht eröffnende Operationsverfahren

Prinzip: Operation der Netzhaut durch die Augenwand hindurch, ohne mit Instrumenten in den Augapfel einzugehen.

Beispiele sind die Vereisungsbehandlung der Netzhaut (Kryokoagulation) wegen größerer Netzhautrisse oder wegen Durchblutungsstörungen (proliferative diabetische Retinopathie, Gefäßverschlüsse der Netzhaut) und das Aufnähen von elastischen Plomben oder elastischen umgürtenden Bändern (Cerclage) zur Behandlung von Netzhautablösung.

Netzhaut-Glaskörper-Chirurgie

Diese chirurgischen Techniken wurden ursprünglich vor 40 Jahren von Robert Machemer entwickelt. Durch kleine Öffnungen in der Lederhaut im Bereich des hinteren Ziliarkörpers (Pars plana) wird mit mehreren feinen Instrumenten (Lichtquelle, automatisches Schneidegerät etc.) unter Sicht in das Augeninnere eingegangen. So kann unter dem Operationsmikroskop kontrolliert das Glaskörpergel aus dem Auge entfernt werden. Außerdem können Narben von der Netzhaut entfernt werden, kann eine abgelöste Netzhaut wieder zur Anlage gebracht werden und können Medikamente, Luft, Gas oder Silikonöl in das Auge eingegeben werden.

Die moderne Glaskörperchirurgie hat die Behandlung zahlreicher Netzhaut- und Glaskörpererkrankungen in den letzten Jahren revolutioniert. Die häufigsten Indikationen sind heute Narbenbildungen auf der Makula (epiretinale Gliose), Makulalöcher (Makulaforamen), Glaskörperblutungen, diabetische Augenerkrankungen und Netzhautablösungen. Die von uns heute meist verwendeten Kleinstschnitt-Techniken (23 Gauge) benötigen keine Naht der Lederhaut mehr und sind daher für die Patienten und ihre Augen sehr schonend.

Die Eingabe von Medikamenten in den Glaskörperraum (IVOM)

Bei vielen Erkrankungen der Netzhautmitte (Makula, Stelle des schärfsten Sehens), darunter AMD und Makulaödem, ermöglicht heute die Eingabe spezieller Medikamente direkt in das Augeninnere in den Glaskörperraum gute Behandlungsergebnisse. Der kleine Eingriff wird steril im Operationssaal in Tropfanästhesie ambulant durchgeführt. Infolge der Verwendung von mikroskopisch kleinen Injektionsnadeln ist der Eingriff praktisch schmerzlos. Ein Absetzen von gerinnungshemmenden Medikamenten vor dem Eingriff ist nicht erforderlich.

Makularerkrankungen

Die Makula (Gelber Fleck) ist ein etwa 5 mm großer Bereich der Netzhaut, der für das zentrale Sehen, Lesen und Erkennen von Gesichtern verantwortlich ist. Das Zentrum heißt Fovea – die Stelle des schärfsten Sehens.

Mit zunehmendem Alter oder durch bestimmte Erkrankungen kann die Makula in Mitleidenschaft gezogen werden. Typische Erkrankungen sind:
1. Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die AMD ist die häufigste Ursache für Erblindung bei Menschen über 50 Jahre in den Industrieländern. Unbehandelt kann sie zu einer erheblichen Sehbehinderung führen. Es werden zwei Formen unterschieden:

Trockene AMD (ca. 85 % der Fälle):
Ablagerungen von Stoffwechselprodukten unter der Netzhaut, sogenannte Drusen, stören die Ernährung der Sehzellen. Dies führt zu einem langsamen, schrittweisen Verlust der Sehschärfe. Eine gesicherte Behandlung gibt es bisher nicht.
Feuchte AMD (ca. 15 % der Fälle):
Unter der Netzhaut bilden sich neue, undichte Blutgefäße, die Flüssigkeit, Eiweiß und Blut in die Makula abgeben. Dies kann zu Ödemen, Blutungen und Vernarbung führen und die Lesefähigkeit stark beeinträchtigen.

Diagnose:
Frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Augenärzte untersuchen die Netzhaut mit einer Spaltlampen-Mikroskopie, einer Fluoreszenzangiographie oder OCT (Optische Kohärenztomographie), um Gefäßneubildungen, Ödeme und andere Veränderungen zu erkennen.

Behandlung:

Medikamente: Anti-VEGF-Mittel wie Lucentis, Avastin oder Eylea werden intravitreal (IVOM) verabreicht. Die Therapie ist oft lebenslang erforderlich, um die Sehkraft zu erhalten.
Feuchte AMD (ca. 15 % der Fälle):
Laser- und photodynamische Therapie können in speziellen Fällen ergänzend eingesetzt werden.
Operationen sind bei der feuchten AMD selten, eher bei Komplikationen notwendig.

Bei Patienten mit länger bestehendem Diabetes mellitus kann die Makula durch Gefäßschädigungen anschwellen. Die Behandlung erfolgt ebenfalls meist durch intravitreale Medikamentengabe (Anti-VEGF). In ausgewählten Fällen können Laserbehandlung oder eine Glaskörperoperation (Pars plana-Vitrektomie) notwendig sein.

Nach Venenverschlüssen der Netzhaut entwickelt sich oft ein Makulaödem, das mit Anti-VEGF- oder Kortikosteroid-Injektionen behandelt wird.

Ein Loch in der Makula kann zu starker Sehverschlechterung und Verlust der Lesefähigkeit führen. Ursachen sind oft unklar; häufig sind Menschen ab 60 Jahren betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer.

Behandlung:

Pars plana-Vitrektomie: Entfernung des Glaskörpers, Lösung von Membranen, Gaseinfüllung zur Unterstützung der Heilung.
Anti-VEGF-Medikamente sind hierbei wirkungslos.
Postoperative Positionierung (Bauch- oder Seitenlage) für einige Wochen ist erforderlich.

Risiken: Grauer Star, selten Netzhautablösung oder Infektionen. Studien zeigen, dass die Mehrheit der Patienten nach der Operation eine Sehverbesserung erreicht.

Hierbei bildet sich eine feine Membran auf der Makulaoberfläche, die zu Verzerrtsehen oder Doppelbildern führt. Oft bleibt sie lange stabil, manchmal bildet sie sich spontan zurück.

Behandlung:

Bei stark beeinträchtigtem Sehvermögen kann eine Pars plana-Vitrektomie mit Entfernung der Membran erfolgen.
Anti-VEGF-Medikamente wirken hier nicht.

Die Netzhautchirurgie umfasst ein breites Spektrum von Laserverfahren, nicht-invasiven Operationen, Glaskörperchirurgie und intravitrealen Medikamenten. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung können Sehschärfe erhalten oder wiederherstellen. Bei Makulaerkrankungen ist die IVOM heute Standard, während operative Verfahren insbesondere bei Makulaforamen, Makulapucker und Netzhautablösungen notwendig sind.